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    Neue Nachrichten aus der High-Deck-Siedlung und umfassende Informationen über Beratungsstellen und Ansprechpartner im Quartier finden Sie jeden Monat im "Deckblatt". Sie erhalten den Quartiersflyer in gedruckter Version in ihren Briefkasten oder können ihn auf unserer Website herunterladen. [mehr]

Bands4friends im Quartier High-Deck-Siedlung / Sonnenallee Süd

In den Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen im Quartier wird eigentlich schon eine große Spannbreite von Freizeit- und Bildungsangeboten angeboten. Der Kindertreff "Waschküche" unterbreitet Angebote für Kinder zwischen 6 bis 13 Jahren, der Jugendtreff „TheCorner“ bietet Jugendlichen ab 14 Jahren eine Anlaufstelle. An der Grenzallee befindet sich darüber hinaus das Jugend-, Kultur- und Werkzentrum, dasvor allem von musik- und tanzinteressierten Jugendlichen genutzt wird.

Auf den ersten Blick scheint hier ein nahtloser Übergang der Altersgruppen von der Kinder- zur Jugendeinrichtung möglich. Tatsächlich gibt es jedoch immer wieder Kinder, die sich von den Spielangeboten im Kindertreff nicht mehr angezogen fühlen, aber für den Jugendtreff noch zu jung sind: Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, die sogenannten "Lückekinder". Sie stehen vor anderen schulischen Herausforderungen als kleinere Kinder oder ältere Jugendliche. Gleichzeitig haben sie zwar mit den ersten Pubertätsproblemen zu kämpfen, zählen aber noch als Kinder und finden sich deshalb weder in den gängigen Angeboten für Kinder noch für die der älteren Jugendlichen wieder. Darum ist es gerade hier wichtig, pädagogisch-präventiv anzusetzen, um den Übergang von Kindheit zur Jugend und zum jungen Erwachsenen chancenreicher zu gestalten.

Dabei geht es um Aufklärung in so wichtigen Bereichen wie Kriminalität, Drogenkonsum und Sexualität. Nicht alle dieser Kinder sind verhaltensauffällig, jedoch nehmen einzelne Mitglieder eine ausgeprägte Anführer-Rolle ein, die starkes Aggressionspotenzial birgt und ziehen so andere Gruppenmitglieder mit. Stets auf der Suche nach Ablenkung, Unterhaltung und einem Aufenthaltsort, war das Verhalten einiger Kinder dieser Altersgruppe im "Sonnencenter", aber auch im ganzen Quartier, zu einem Problem geworden. Vandalismusschäden, störendes Verhalten im Einkaufszentrum und "Abziehen" von Handys bei anderen Kindern waren an der Tagesordnung. Um diesen Problemen zu begegnen und dieser Gruppe Angebote zu unterbreiten, wurden 2015 zusätzliche Fördermittel aus dem Projektfonds im Programm „Soziale Stadt“ bereitgestellt.

Der Jugendtreff „TheCorner“(Evangelischer Kirchenkreis Neukölln) und der Kindertreff „Waschküche“ (AspE e. V.) entwickelten gemeinsam mit dem Quartiersmanagement das Projekt Bands4Friends. Der Zielgruppe bot sich mit diesem Projekt nicht nur die Möglichkeit beide Einrichtungen zu nutzen, sondern auch eigene Wünsche für Angebote äußern zu können. So entstand der Friday4Us im Kindertreff „Waschküche“, ein niedrigschwelliges Angebot für eine sinnvolle Freizeitgestaltung jeden Freitag von 17 bis 20 Uhr. Im Sommer 2016 konnten Jugendtreff, Kindertreff und Quartiersmanagement das Jugendamt Neukölln vom Erfolg des Angebotes überzeugen, so dass seit dem zusätzliche Gelder für zwei weitere Tage (dienstags + donnerstags, 18-20 Uhr) zur Verfügung gestellt wurden und ein ergänzendes Angebot, „Sunset4us“, stattfinden kann. Zu all diesen Zeiten wird zusammen gekocht, gesportelt oder etwas Kreatives erschaffen. Durch die Konzentration auf die Gruppe der 11-14-Jährigen ist es zusätzlich möglich, pädagogisch stärker auf die Kinder einzugehen und ihnen z.B. in häuslichen oder schulischen Problemsituationen spezieller zur Seite zu stehen.

Gleichzeitig machten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des "TheCorner" daran, den Lückekindern den Zugang zum Jugendtreff zu erleichtern und für mehr Akzeptanz bei den älteren Jugendlichen zu werben. Schließlich mussten sie „ihre“ Räume jetzt mit "Kleineren" teilen. Es wurde ein Patenschaftsmodell entwickelt, in dem mit pädagogischer Anleitung unter den Stammbesuchern Patenschaften für je eines der Lückekinder übernommen wurden. Bei gemeinsamen Aktionen hat der/die Jüngere damit eine zusätzliche Unterstützung. Die Paten wiederum erhalten eine besondere verantwortungsvolle Position. Bisher wurden ganz verschiedene Aktionen gemeinsam umgesetzt: z.B. Graffiti- und Holzworkshops, gemeinsame Teambildungs- und Anti-Gewalttrainings.

In der Sommerzeit ging es in Spandau zum gemeinschaftlichen StandUp-Paddeln und auch einmal in den Berliner Zoologischen Garten. Solche Unternehmungen sind keine Selbstverständlichkeit, denn viele Kinder verlassen die Siedlung und ihren Kiez nur äußerst selten. Ein Zoobesuch oder eine Spritztour zum Wasser ist zudem eine teure Angelegenheit. Den Eltern fehlt häufig die Möglichkeit für solche Aktionen und meist ist es in den Familien nicht üblich, gemeinsame Ferien- und Freizeitaktivitäten mit den Kindern zu unternehmen. Dies wurde bereits im der Planung des Projektes berücksichtigt. Im Projekt sind rund 14 Patenschaften entstanden.

„Zusammen geht’s besser“ – Kooperationen der Einrichtungen

Das Projekt hatte zudem auch das Ziel, die Kooperation zwischen Kinder- und Jugendtreff zu intensivieren und den Kindern den Übergang vom Kinder- zum Jugendtreff zu erleichtern. Beide Einrichtungen führen nun mit dieser Zielgruppe gemeinschaftlich organisierte und betreute Aktionen durch. Im Winter 2017 wurde ein Nachtorientierungslauf im Grunewald organisiert. In zwei Teams, begleitet von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beider Treffs, mussten sich die Kinder über den Eichkamp und Teufelsberg "durch die Wildnis" schlagen und sich gegenseitig im Dunkeln dabei helfen, den richtigen Weg zu finden. Mit ihrem starken Teamgeist und großem sportlichen Ehrgeiz waren die Kinder am Ende schneller als geplant am Ziel und feierten ihren Erfolg beim abschließenden gemeinsamen Grillen und für ihren tollen Einsatz erhielten alle eine Medaille. Die Aktion wurde mit Kameras festgehalten. Bei der Filmvorführung, zu der auch die Eltern geladen waren, war deutlich zu sehen, wie viel Spaß und Ehrgeiz die Kinder während der Aktion entwickelten. Abschließend erhielten sie noch eine Urkunde und eine Kopie des Films.

Das Projekt hatte bisher – wie jedes Projekt – Höhen und Tiefen, ist aber insgesamt sehr erfolgreich. Es konnte eine weitere Gruppe von Kindern aus dem Quartier erreicht werden, die vorher eher orientierungslos sich selbst überlassen war. Deutlich schwieriger gestaltet sich dagegen die Arbeit mit den Eltern, da viele nur wenig Interesse zeigen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Oftmals sind die Eltern vor allem in Großfamilien mit ihren eigenen sozialen Schwierigkeiten beschäftigt, nehmen sich kaum Zeit für die Kinder. Obhut und Verantwortung wird dann oftmals den älteren Geschwistern übertragen, die aber eigentlich ihrerseits mit sich selbst zu tun haben. Für die Zukunft ist geplant, das Angebot für die Lückekinder weiterhin aufrecht zu erhalten und zu festigen und sie auch in weitere Entwicklungen im Quartier zu integrieren.

Kinder brauchen Beständigkeit; dies gilt auch für die Weiterführung der Arbeit. Somit wird auch nach einer längerfristigen Finanzierung gesucht, um Personalmittel und Räumlichkeiten nach Ablauf der Projektfinanzierung durch das Quartiersmanagement zu decken.

Projektträger: Jugendtreff „TheCorner“/Evangelischer Kirchenkreis Neukölln in Kooperation mit dem Kindertreff „Waschküche“/ AspE e. V.

Finanzierung: Projektfonds, Programm „Soziale Stadt“

Laufzeit: 01.07.2015 bis 31.12.2017

Text: Kerstin Heinze, Fotos: Evangelischer Kirchenkreis Neukölln/AspE e.V.