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Sie befinden sich hier: Info - Archiv / Artikel aus 2007 / Joseph-Schmidt-Ausstellung

Höhen und Tiefen eines Künstlerlebens

Menschen in einer Ausstellung.
Nachbarn stellen sich vor.

Die Reihe „Straßenschilder – Menschenbilder“ ist um eine Facette reicher. Am vergangenen Donnerstag wurde die Ausstellung über die Joseph-Schmidt-Straße eröffnet. Nach altbewährtem Muster wird auf der einen Seite des großen Raumes im Nachbarschaftstreff „mittendrin“ das Leben des Künstlers dargestellt, der der Straße seinen Namen gab. Ihm gegenüber stehen Kurzbiografien von Menschen, die in dieser Straße wohnen.

 

Der Tenor
Joseph Schmidt, Quelle: www.cs.princeton.edu

Mit Liedern und Texten bekamen die Gäste am Eröffnungsabend einen Einblick in das Leben von Joseph Schmidt. Er wurde am 4. März 1904 in einem kleinen Ort in der Bukowina geboren, der heute in Rumänien liegt. Die Eltern erkannten schon früh das musikalische Talent des kleinen Joseph. Im Kinderchor der Synagoge sammelte er erste Erfahrungen, später erhielt er eine Ausbildung zum Kantor und studierte Gesang. Um seinen großen Traum, eine Karriere als Opernstar, zu verwirklichen, ging er nach Berlin, wo er einen Studienplatz an der Staatlichen Akademischen Hochschule bekam.

 

Hebestreit singt Schmidt
Robert Hebestreit singt Joseph Schmidt.

1928 gab er mit großem Erfolg sein erstes großes Konzert. Und obwohl der Tenor Lehrer, Kritiker und das Publikum immer wieder mit seiner wunderbaren Stimme verzauberte, blieben ihm die Opernbühnen wegen eines unüberwindlichen Handicaps zunächst versperrt: Mit 1,53 Meter war der Sänger einfach zu klein für das darstellende Spiel. So ergriff Joseph Schmidt die Chancen, die sich ihm boten, und eroberte sein Publikum durch ein damals noch ganz neues Medium: 1928 sang er seine erste große Opernrolle im Rundfunk. Die damals noch live produzierten Opern im Radio machten ihn über Nacht berühmt.

 

Filmplakat
Was bleibt sind Joseph Schmidts Lieder.

Es folgten Schallplattenproduktionen, Konzertreisen und auch der damals noch ganz junge Tonfilm entdeckte den Star. Titel wie „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“, „Bel Ami“, oder „Ein Lied geht um die Welt“ waren damals Gassenhauer. Zu Joseph Schmidts Bewunderern gehörten auch viele Nationalsozialisten. Nach der Machtübernahme erwog Hitlers Propagandaminister den jüdischen Sänger gar zum „Ehrenarier“ zu machen. Doch daraus wurde nichts. 1935 startete Joseph Schmidt seine Karriere in Amerika, ließ sich dann aber in Belgien nieder, weil er in Brüssel endlich eine Chance an der Oper bekam. Nach dem Überfall der Deutschen auf Belgien ging er nach Frankreich, wo ihm unter abenteuerlichen Umständen die Flucht in die Schweiz gelang. Doch seine Berühmtheit und der Einsatz vieler Freunde halfen ihm dort nichts. Als „Illegaler“ wurde er in einem Lager interniert, wo er schwer erkrankte und 1942 verstarb.

 

Heike Kasten-Nkongolo