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"Der Nachbar kommt vor dem Haus"

Ruth Frielinghaus und Hamsa El Khalaf haben einige Jahre Tür an Tür in der High-Deck-Siedlung gewohnt. Die deutsche Journalistin nahm schnell Kontakt zu den palästinensischen Nachbarn auf, half Hamsas Schwestern bei den Schularbeiten und interessierte sich für das Leben der Großfamilie in der Wohnung nebenan. Und auch wenn Hamsa inzwischen eine eigene Wohnung in der Weißen Siedlung hat, hält er doch den Kontakt. Und weil beide die Erfahrung gemacht hatten, dass das gegenseitige Wissen über Herkunft, Religion und Kultur die gute Nachbarschaft fördert, schlugen sie dem Quartiersmanagement vor, ein Gesprächsforum zu inszenieren: Welche Erfahrungen haben Christen mit ihren muslimischen Nachbarn gemacht und was sagt eigentlich der Islam über die Nachbarschaft aus. Das waren die Themen des ersten Gesprächsforums, zu dem mehr als 50 Besucher gekommen waren.

Dass es daran gelegentlich mangelt – allerdings auf beiden Seiten, räumte auch Abdul Adime Kamous ein. Der aus Marokko stammende Student der Elektrotechnik predigt in deutscher Sprache in der nahegelegenen Al-Nur-Moschee. Doch mit allen Besuchern war sich Kamous einig, dass respektloses Verhalten ein gesamtgesellschaftliches Problem und eine Folge schlechter Erziehung sei und nichts mit der Religion zu tun habe. "Im Gegenteil", so Kamous, " wer sich seinen Nachbarn gegenüber schlecht benimmt ist ein schlechter Moslem". Denn mit dem Koran habe das nichts zu tun. Dort würden den Nachbarn vier Grundrechte eingeräumt: Man dürfe den Nachbarn nicht schädigen, jeder Moslem müsse seinen Nachbarn schützen, man müsse seinem Nachbarn Gutes tun und ihm das gleiche gönnen, was man sich selber wünsche.
 
In offener und angenehmer Atmosphäre wurden viele Fragen besprochen: Sprachprobleme, Respektlosigkeiten von Kindern und Jugendlichen, Lärmbelästigung und die Teilnahme muslimischer Mädchen an Klassenfahrten. Besonders arabische Jugendliche und junge Frauen beteiligten sich an der Diskussion und bauten so sicherlich manche Hemmschwelle bei deutschen Besuchern ab. Am Schluss waren sich alle einig: Die Gesprächsrunden sollen auf jeden Fall weitergehen.

Ruth Frielinghaus, die als Journalistin einige Zeit in Ägypten gelebt hat, appellierte an ihre deutschen Landsleute, auf die ausländischen Familien zuzugehen. Sie selbst habe sehr gute Erfahrungen mit Hausaufgabenhilfe für die Nachbarskinder gemacht und so einen engen Kontakt zu zwei arabischen Großfamilien entwickelt.  "Das kann ungeheuer interessant und bereichernd sein", so die Journalistin. Welch große Rolle eine gute Nachbarschaft in der arabischen Kultur spiele, belegte sich mit dem arabischen Sprichwort: "Der Nachbar kommt vor dem Haus". Das Wichtigste aber sei, gegenseitiger Respekt.

Heike Kasten-Nkongolo