Suche

Top Themen

  • Quartiersflyer "Deck-Blatt"

    Neue Nachrichten aus der High-Deck-Siedlung und umfassende Informationen über Beratungsstellen und Ansprechpartner im Quartier finden Sie jeden Monat im "Deckblatt". Sie erhalten den Quartiersflyer in gedruckter Version in ihren Briefkasten oder können ihn auf unserer Website herunterladen.[mehr]
  • Gesucht: Bewohner für neuen Quartiersrat

    Im Mai/Juni 2021 sind die Wahlen für den neuen Quartiersrat High-Deck-Siedlung/Sonnenallee Süd geplant. Machen Sie mit und stellen Sie sich für den neuen Quartiersrat zur Wahl! Gerne können auch Bewohner erneut kandidieren, die bereits jetzt mitwirken.[mehr]
Sie befinden sich hier: Info - Archiv / Artikel aus 2006 / Leben pur am Michael-Bohnen-Ring

Leben pur am Michael-Bohnen-Ring

Mit Fotos und Texten wird das schillernde Leben des gefeierten Opern- und Filmstars dargestellt. Daneben hat das mittendrin-Team 19 Portraits von Menschen aus dem Michael-Bohnen-Ring gestellt. Als Dankeschön für ihre Bereitschaft erhielten sie alle eine Rose aus den Händen des Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky. Ehrengast bei der Ausstellungseröffnung war der Botschafter Moldawiens Dr Igor Corman. Corman setzt sich dafür ein, eine Straße nach der Moldawierin und Bohnen-Partnerin Maria Cebotari zu benennen.

Die Musikhistorikern Eva Hingott brachte ihren Nachbarn das Leben Michael Bohnens mit einem Vortrag, gespickt mit Bild- und Tondokumenten nahe: Der am 2. Juni 1887 in Köln geborene Bass-Bariton Sänger hat in seinem Leben privat und beruflich alle Höhen und Tiefen kennengelernt. Mit 15 Pfund Geburtsgewicht zum Jahrhundertbaby gekürt verfügte der spätere 1,90-Meter-Mann bis ins Alter über enorme körperliche Kräfte. Weil er zudem kein guter Schüler war, sollte er eigentlich Schmied werden. Doch als das Gesangstalent des gerade Zwanzigjährigen entdeckt wurde, machte er als Opernsänger eine Blitzkarriere.

So erwarb Michael Bohnen sein zweites Vermögen, das er nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings verlor. Kurz nach Kriegsende zunächst mit dem Aufbau des Musiklebens in Berlin betraut, wurde er als vermeintliches NSDAP-Mitglied denunziert. Von diesem Schlag erholte sich Bohnen nicht mehr, verarmte und vereinsamte. Erst Mitte der 50er Jahre wurde er rehabilitiert, doch seine finanzielle Situation blieb bis zu seinem Tod am 26. April 1965 schwierig. Michael Bohnen wurde auf dem Ehrenfriedhof an der Heerstraße begraben.  
 

Auf der Bühne begeisterte Michael Bohnen sein Publikum nicht nur durch seine enorme Stimme – Bohnen sang über drei Oktaven. Der sportliche Riese war auch stets für eine Überraschung gut: So trug er eine Gesangspartnerin beim Abgang auf einem Arm von der Bühne oder zerbrach eine Fahnenstange, die ihn störte. Nachdem er durch die Scheidung von seiner zweiten Frau – insgeamt war er drei Mal verheiratet - finanziell ruiniert war, machte er beim deutschen Film Karriere als Darsteller und Produzent.

Heike Kasten-Nkongolo