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Nachbarn aus Marzahn, Kreuzberg und Guinea

Wenn Uta Thiam etwas Interessantes erlebt, dann schreibt sie das auf. So hat sie das als Kind schon gehalten und so macht sie es noch heute. Und etwas Interessantes erlebt 69-Jährige fast jeden Tag, egal, ob sie am Muttertag eine Fahrradtour nach Kreuzberg macht, Ende der neunziger Jahre einen Hilfstransport in den westafrikanischen Staat Guinea begleitet oder noch zu Mauerzeiten mit ihren Kindern eine ehemalige Nachbarin in Ostberlin besucht.
 
Mit diesen drei Themen beschäftigten sich die Texte, die Uta Thiam im Literaturcafé vorlas. Die längste der drei Kurzgeschichten, "Preußisch Grau", entführte die Zuhörer in das Berlin der 70er Jahre. Die Autorin machte mit zwei kleinen Kindern einen Tagesausflug von Neukölln nach Marzahn und Friedrichshain, um ehemalige Nachbarinnen zu besuchen. In kurzen, sehr anschaulichen Sätzen beschreibt Uta Thiam die Lebensumstände in der Hauptstadt der DDR. Sie entführt die Leser in die Neubauwohnung in einem Marzahner Hochhaus, wo eine Nachbarin aus dem früheren Friedrichshainer Kiez den Neuanfang mit einem neuen Partner wagt, und in ein Pflegeheim, wo eine andere alte Freundin in einem Vier-Bett Zimmer darauf hofft, vor ihrem seligen Ende noch einmal in den Garten gefahren zu werden. Thiam schildert das Berlin der 70er Jahre sachlich und mit einem ironischen Unterton. Doch selbst die DDR-Grenzsoldaten bekommen trotz aller Schikanen bei den Kontrollen menschliche Züge.

Gerade die erste Geschichte rief bei den Besuchern des Literaturcafés so manches Aha-Erlebnis hervor. Nicht weniger interessant waren die anderen beiden Texte: Bei einer Radtour entdeckt die Autorin zufällig den berühmten Laubengarten, den ein Türke schon lange vor dem Mauerfall auf dem Grenzstreifen zwischen Kreuzberg und Friedrichshain angelegt und allen bürokratischen Widerständen zum Trotz noch heute betreibt. Bei der kurzen Schilderung aus dem westafrikanischen Guinea bekommen die Zuhörer einen Eindruck aus einer fernen, exotischen Welt. Die Erlebnisse mit den Nachbarn aus nah und fern, die Uta Thiam im Literaturcafé vorlas, haben ihre Nachbarn aus Neukölln sehr bewegt.
 

Heike Kasten-Nkongolo