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"Für Perspektiven und gegen Gewalt"

Im März 2012 kam es in der High-Deck-Siedlung zu einem gewaltsamen Zwischenfall, in dessen Folge ein Jugendlicher aus der benachbarten Weißen Siedlung tödliche Verletzungen erlitt. Dies hat in beiden Siedlungen Entsetzen und große Betroffenheit ausgelöst. Festzustellen ist jedoch, dass sich in dieser Krisensituation die im Rahmen des Quartiersmanagements geschaffenen Netzwerke in beiden Quartieren sehr bewährt haben und dadurch bisher weitere Eskalationen verhindert werden konnten. Zu diesen Netzwerken gehören vor allem Träger der Jugendarbeit, Schulen, Jugendamt, Stadtteilmütter, Bewohner, die Polizei sowie teilweise auch die Wohnungseigentümer.

Für alle Akteure stellten sich jedoch Fragen nach den Ursachen für ein solches Verhalten und nach Strategien, um der in jüngster Zeit - nicht nur in Neukölln - verstärkt zu beobachtenden Gewaltbereitschaft vor allem unter männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund noch wirksamer zu begegnen.

Beide Gebiete hatten seit der Privatisierung von Wohnungsbeständen vor wenigen Jahren einen erheblichen Wandel der Bewohnerstrukturen zu verkraften. In der High-Deck-Siedlung hat sich beispielsweise seit 2007 drei Viertel der Bewohnerschaft seit 2007 „ausgetauscht“. Mit dem Zuzug dieser neuen Bewohner(innen) sind auch leider einige jugendliche Intensivtäter zugezogen. Der Anteil von Bewohnern mit Transfereinkommen steigt, gleiches trifft auf den Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu. Unter den Jugendlichen gibt es zahlreiche ohne Schulabschluss, Ausbildung und Arbeit. Viele Kinder und Jugendliche weisen große Entwicklungsdefizite auf und zeigen ein sehr auffälliges Sozialverhalten. Obwohl hier verschiedene Projekte erste Verbesserungen brachten, bleibt ein Teil der Kinder und Jugendlichen bisher noch unerreicht. Aber auch solche, die Quartierseinrichtungen besuchen und an Projekten beteiligt sind, zeigen - zumindest teilweise - eine gewisse Gewaltbereitschaft. Die Sozialisation in sehr traditionell geprägten Familien-strukturen, in denen häusliche Gewalt nicht selten zum Alltag gehört, sowie das deutliche Empfinden von Benachteiligung, gepaart mit einem geringen Selbstwertgefühl, entladen sich bei vielen Kindern und Jugendlichen häufig in respektlosem und aggressivem Verhalten. Dies wird mitunter durch religiöse Orientierungen und vor allem durch Gruppendynamik noch weiter verstärkt.

Dem konsequent aber auch differenziert zu begegnen, darauf zielte das Modellvorhaben „Für Perspektiven und gegen Gewalt – quartiers-übergreifendes Netzwerk“. In dessen Mittelpunkt standen zum einen  eine Verbesserung der Bildungschancen und zum anderen die Unterstützung eines gewaltfreien und respektvollen Umgangs miteinander. Zielgruppen waren Jugendliche, aber auch sogenannte „Lückekinder“ und Eltern. Ein zuvor initiiertes Netzwerk der Jugendhilfeträger im Sozialraum hatte die Angebote gemeinsam entwickelt und das Projekt dann begleitet.

Modul „Angebote für mehr Bildung und eine berufliche Orientierung“
Grundlegende Voraussetzung für bessere Lebensverhältnisse und eine soziale und berufliche Integration sind gute Schulabschlüsse und eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in beiden Quartieren kommt aus Familien, die von Transfereinkommen leben, darunter viele mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Milieus. Um die Bildungs- und Entwicklungschancen dieser Kinder und Jugendlichen zu verbessern, müssen vorhandene Defizite frühzeitig aufgedeckt und gezielt abgebaut werden.

Niedrigschwellige Lernhilfeangebote zielten darauf ab, mit Misserfolgen besser umzugehen und Erfolge gezielt anzusteuern. Die Jugendlichen wurden durch individuelle Förderung unterstützt, um sich entsprechend ihren Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Gerade Jugendliche in schwierigen Lebensverhältnissen benötigen hier zusätzliche Unterstützung, die Eltern und Familien zu Hause häufig nicht geben können. Besonders relevant ist die Unterstützung durch die Jugendeinrichtungen vor allem in der Abschlussphase der Schulausbildung. Um die Jugendlichen darüber hinaus in der beruflichen Orientierung zu unter-stützen und auf eine Ausbildung vorzubereiten, wurden im Rahmen eines umfangreichen individuellen Coachings spezifische Angebote unterbreitet, in denen Berufe vorgestellt und Gespräche mit Vertretern einzelner Berufsfelder geführt wurden. Ergänzt wurde das durch Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen und das Üben von Bewerbungssituationen.

Modul „Ohne Gewalt und für ein besseres Miteinander“
Um der aufkommenden Gewalt in beiden Quartieren auch im öffentlichen Raum noch stärker begegnen zu können, waren zusätzliche Streetworker unter-
wegs, um mit Straßensozialarbeit vor allem Jugendliche, die in bestehende Angebote nicht oder nur schwer einzubinden sind, aufzusuchen. Dazu gehören auch Mädchen und Jungen, die sich den vielfältigen Angeboten der schulischen und beruflichen Bildung verweigern. Die Streetworker waren eine Schnittstelle, von der aus die Jugendlichen auch zu anderen Angeboten, darunter auch zu denen der Berufsorientierung, begleitet wurden.

Da das zunehmende Gewaltpotential unter den Kindern und Jugendlichen teilweise auch mit einem kulturbedingten „anderen“ Verständnis von einem gleichberechtigten Zusammenleben zusammenhängt, wurden Antigewalt-seminare, HEROES-Workshops sowie Veranstaltungen für Eltern organisiert. Ziel war es, den Jugendlichen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie Gefahren oder Konflikte erkennen und/oder vermeiden und bewältigen können. Darüber hinaus wurden Themen wie Ehre, gleichberechtigtes Zusammenleben von Männern und Frauen, Rollenklischees, Respekt und Menschenrechte mit den Jugendlichen sehr ausführlich diskutiert. In speziellen Veranstaltungen für Eltern erhielten Mütter und Väter Unterstützung und Hilfestellungen, wie sie mit gewaltfreien Erziehungsmethoden die Entwicklung ihrer Kinder positiv beeinflussen können.

Am 12. April 2013 fand die Abschlussveranstaltung im Projekt statt, an der der Neuköllner Bezirksstadtrat für Gesundheit und Jugend, Falko Liecke, Vertreter der Quartiersräte, Jugendliche und die Projektpartner teilgenommen haben. Hier wurden in einer kleinen Arbeitsausstellung die wesentlichen Projektergebnisse präsentiert.

Am Projekt waren beteiligt:

Jugendtreff „The Corner“/ Evangelischer Kirchenkreis Neukölln, Familien-zentrum „Debora“/ Evangelischer Kirchenkreis Neukölln, Jugendtreff „Sunshine Inn“/ GskA gemeinnützige Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit mbH, „Outreach – Mobile Jugendarbeit“/ GskA gemeinnützige Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit mbH, Jugend-, Kultur- und Werkzentrum Grenzallee/ Bezirksamt Neukölln, Kinderclubhaus Dammweg/ Bezirksamt Neukölln, Neuköllner Netzwerk Berufshilfe e.V.