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Freitag, 20.12.2019

Erzähl-Café: 30 Jahre Mauerfall – Austausch von Erinnerungen

Wer den Mauerfall erlebt hat, erinnert sich daran, wie die Welt innerhalb weniger Tage eine andere wurde – und hat etwas zu erzählen! Gerade in Berlin ließ sich vor dreißig Jahren Geschichte im persönlichen Umfeld sehr lebendig erfahren. Anwohnerinnen und Anwohner im Michael-Bohnen-Ring zum Beispiel brauchten nur aus dem Fenster oder von einer der Fußgängerbrücken der damals grün bepflanzten High-Decks auf die Sonnenallee hinunterschauen.

Waren sie es bis zum Herbst 1989 gewohnt, an einer Spielstraße mit wenig Verkehr zu wohnen, kamen sie in den Tagen nach dem 9. November aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Denn nun herrschte hier Gedränge. Menschen mit ungewohnten Frisuren, Kleidern und Autos bevölkerten mit einem Mal Straßen, Gehwege und – vor allem – die Geschäfte vom Sonnencenter bis zum Kudamm.

Beim Erzähl-Café im Nachbarschaftstreff „mittendrin“ trafen sich am Montag, 25. November nachmittags zwischen halb vier und halb sechs Urberlinerinnen und Urberliner mit Zugezogenen unterschiedlicher Herkunft und tauschten sich über ihre Erinnerungen und Eindrücke von damals aus. Oder hörten, wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren waren, interessiert zu. Wie sich schnell herausstellte, gab es viel zu berichten und genauso viel zu erfahren.

So etwa auch dazu, dass das Ende der Ost-West-Konfrontation nicht überall so friedlich abgelaufen ist wie bei uns. Eine Anwohnerin, die Anfang der 90er-Jahre als Rumäniendeutsche beziehungsweise Banater Schwäbin nach Berlin kam und in die High-Deck-Siedlung zog, erzählte, wie sie den Spätherbst 1989 in Rumänien erlebt hat: „Ab dem 16. Dezember hieß es Revolution und ‚Nieder mit Ceausescu!‘“ Neben allen Vorzügen, die das in der Folge mit sich brachte, habe es immerhin dort 108 Tote zur Folge gehabt, unter ihnen auch Kinder.

Zwischen Ost- und West-Berlin spielten sich im Zusammenhang mit der Maueröffnung glücklicherweise weniger dramatische Szenen ab. Weder fielen Schüsse, noch wurde Blut vergossen. Tränen gab es in erster Linie vor Glück. Dennoch gab es auch hier Grund genug zum Staunen. Zum einen hatte kaum jemand erwartet, das Ende der Mauer, die seit August 1961 als unverrückbar zwischen den Teilen der Stadt stand, zu erleben.

Zum anderen führten die ersten Streifzüge in den Ostteil in den ersten Wochen und Monaten noch in eine andere, unbekannte Welt. Zunächst war hier alles noch grau, Kohlegeruch lag in der Luft, und nur in wenigen Branchen – zum Beispiel bei Modelleisenbahnen und Büchern – hatten die Geschäfte etwas zu bieten. Dafür waren beinahe über Nacht die Angst und das Bedrückende verschwunden, das bei Ostberlin- und DDR-Besuchen zuvor in der Luft gelegen hatte. An Stelle von Kontrollen und Machtgebaren durch Grenzbeamte waren Neugier und Platz für Experimente getreten.

Die Erinnerungen, die im Erzähl-Café an diesem Nachmittag ausgetauscht wurden, ließen in ihrer privaten Färbung eine lang zurückliegende Zeit wiederaufleben. Das fühlte sich stellenweise an wie bei einem Super-8-Film-Abend. Authentisch und voll mit interessanten neuen Blickwinkeln.

Text und Bilder: H. Heiland