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Mittwoch, 08.05.2024

„Nachsitzen“: neue Lesereihe an der Kepler-Schule

Bereits seit längerer Zeit macht sich die Kepler-Schule stark dafür, Schülerinnen und Schüler für Literatur und Bücher zu begeistern. Denn Lesen fördert das Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen und öffnet Horizonte.

Nachsitzen – Gemeinsam Neu[kölln]erlesen

Am Freitag, 3. Mai fand ab 19 Uhr die erste Veranstaltung der neuen Lesereihe „Nachsitzen – Gemeinsam Neu[kölln]erlesen“ in der Aula der Kepler-Schule statt. Mit drei bis vier geplanten Terminen im Jahr richtet sich diese Veranstaltungsreihe nicht nur an die Schulgemeinschaft, sondern auch an die Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier und alle interessierten Menschen.

Väter und Familien

Thema des ersten Leseabends waren unterschiedliche Sichtweisen auf Väter, Familie und Herkunft. Zwei bekannte Literaten stellten ihre Bücher vor: Dilek Güngör las aus ihrem Roman „Vater und ich“, Necati Öziri aus „Vatermal“. Mit diesem Roman schaffte er es im vergangenen Jahr in die Endauswahl zum Deutschen Bücherpreis.

In beiden Romanen geht es, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven, um den Bezug der Ich-Erzähler zu ihren abwesenden Vätern. Dilek Güngörs Protagonistin beschäftigt sich damit, wie bei ihrem Aufwachsen die Nähe zwischen ihr und ihrem einst liebevollen Vater verloren gegangen ist. Necati Öziri beschreibt, was die Abwesenheit des Vaters, der die Familie verlassen hat, für seinen Hauptcharakter bedeutet. Beiden geht es um die Schwierigkeiten, ohne geeignete Begriffe eine Sprache für das Gefühl, in der Gesellschaft isoliert zu sein, zu finden. Sie haben damit zu kämpfen, dass sie als Kinder von türkischstämmigen Familien in der deutschen Mehrheitsgesellschaft von ihren Altersgenossen nicht vollständig akzeptiert werden – in einer Zeit, bevor man sich über Rassismus und seine Folgen im gleichen maße Gedanken gemacht hat wie heute.

Spannende Diskussion

Nach einer kurzen Einführung in den Abend und die Reihe durch Schulleiterin Frau Düppe übernahmen die Fachbereichsleiterin Deutsch, Frau Goldmann, und eine ihrer Oberschülerinnen die Moderation. In einer von Schülerinnen und Schülern vorbereiteten spielerischen Befragung, bei der die Autorin und der Autor jeweils aus einem Begriffspaar den Begriff wählen sollten, der sie eher beschreibt (zum Beispiel „Stift“ oder „Tastatur“), zeigte sich, wie unterschiedlich sich Dilek Güngör und Necati Öziri bei vielen Gemeinsamkeiten im Einzelnen einschätzten. Das führte immer wieder auch zu lustigen Momenten in der insgesamt sehr spannenden Diskussion.

Im Verlauf des Abends wurde sehr deutlich, wie wichtig Orientierung an familiären Vorbildern, aber auch an einer Sprache, die klar beschreibt, was man fühlt, ist. Sie hilft Heranwachsenden, ein Verständnis ihrer eigenen Situation und eine eigene Identität zu entwickeln.

Auch aus dem zahlreich erschienen Publikum gab es hierzu Fragen und Beiträge. Insgesamt ergab das einen spannenden Abend, über den die Teilnehmenden noch länger werden nachdenken können. Alle anderen dürfen auf die nächsten Termine von „Nachsitzen – Gemeinsam Neu[kölln]erlesen“ gespannt sein.

Text und Bilder: H. Heiland