Top Themen
WONK: Spaziergang zu den sprechenden Bäumen in der High-Deck-Siedlung
Am frühen Abend des 23. September gab es in der High-Deck-Siedlung eine Besichtigung der besonderen Art. Im Rahmen der Aktionswoche „Wundervolle Orte Neukölln“ hatte das Freilandlabor Britz e. V. zum kostenfreien Natur- und Klimaspaziergang durchs Quartier geladen. Vom Treffpunkt am Stadtteilzentrum „mittendrin“ führte Ursula Müller die Teilnehmenden in die grünen Höfe zwischen den Decks und Wohnblocks, von Grün zu Grün und vor allem von Baum zu Baum. Denn in der High-Deck-Siedlung gibt es viele relativ seltene Bäume, die bereits seit 2017 einer Karte verzeichnet sind, darunter 8 Nadelgehölze und 30 Laubgehölze. An einem Teil von ihnen gibt es QR-Codes, mit denen Interessierte mit einem Mobiltelefon ein Baumporträt des jeweiligen Baums abrufen können. Über einen eingesprochenen Text informiert der Baum zu seiner Herkunft, seinem Namen, der Verbreitung und seiner Anpassung an den Standort und die umgebende (Stadt-)Natur.
Eine der zahlreichen attraktiven Gattungen in der Siedlung ist etwa der Japanische Kuchenbaum (Cercidiphyllum japonicum), auch Katsurabaum oder Lebkuchenbaum genannt. Dabei handelt es sich um einen langsam wüchsigen, sommergrünen Laubbaum oder Großstrauch, der zwischen zehn und zwanzig Metern hoch werden kann. Seinen Namen hat er daher, dass seine Blätter bei feuchter Witterung intensiv nach Lebkuchen duften. In Mitteleuropa wird der Lebkuchenbaum in vielen Bereichen gepflanzt, im öffentlichen Grün, in Parks, Hinterhöfen, im privaten Grün, Hausgärten, Vorgärten und Atriumgärten. Mehrere dieser Bäume stehen im Hof hinter der Peter-Anders-Str. 16 bis 20.
Auf besonderes Interesse der Teilnehmerinnen beim Spaziergang stießen die regelmäßigen Messungen der Luftfeuchtigkeit auf dem Weg – je mehr man sich im Grünen bewegte, bestätigte das mitgeführte Hygrometer, desto feuchter war es. Was einmal mehr zeigt, wie wichtig die Begrünung von Flächen und Fassaden für das Mikroklima einer Stadt ist – vor allem in Anbetracht der auch bei uns immer heißer werdenden Sommermonate.
Die höchste Luftfeuchtigkeit wurde beim Spaziergang am Heidekampgraben gemessen. Hier ist die Vegetation am üppigsten und Feuchtigkeit steigt vom Wasser des Grabens auf. Der Grünzug ist von heimischen und exotischen Baum- und Straucharten geprägt. Heimische Baumarten sind Linde, Ahorn, Weide, Eberesche, Walnuss und Hainbuche. Im Herbst bieten auch die Sträucher eine große Vielfalt verschiedener Früchte, z. B. Pfaffenhütchen, Heckenkirsche, Brombeere, Holunder und Schneeball. Als eindrucksvoll bleiben an diesem Abend insbesondere die mit langen wehrhaften Stacheln besetzten Gleditschien (Gleditsia triacanthos) in Erinnerung. Sie sind ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Im Herbst entwickeln die Bäume lange, braune Fruchthülsen, deren Fruchtfleisch gerne von Krähen gefressen wird. Daher wird die Gleditschie auch als Lederhülsenbaum bezeichnet.
Dort, wo der Lebensraum “Hecke” beschrieben wird, fällt im Sommer ein weiterer Baum auf. Er hat fast 30 cm großen herzförmigen Blätter, heißt Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) und stammt aus Ostasien. Im Herbst entwickelt er lange, bohnenähnliche Früchte an den Zweigen, weshalb er auch „Zigarrenbaum“ genannt wird.
Imposant sind auch die in der Nähe stehenden Colorado-Tannen (Abies concolor). Ihre Heimat waren ursprünglich die Rocky Mountains in Nordamerika. Sie wachsen sehr schnell und können über 50 m hoch werden. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit sind sie häufig in Parkanlagen zu finden.
Kontakt:
Freilandlabor Britz e. V.
Ansprechpartnerin: Ursula Müller
Geschäftsstelle: Tempelhofer Damm 45, 12101 Berlin
E-Mail dialog@freilandlabor-britz.de
Tel. 703 30 20





