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In dieser Schule ist Krach erwünscht

Der Werkraum in der Sonnen-Grundschule dröhnt: Sieben Kinder und zwei Erwachsene schlagen mit ihren Händen auf große, blaue Plastikfässer ein. Fast alle halten den Takt, nur Zyneb und Ahmed hinken ein Bruchteil einer Sekunde hinterher. Erst als Musiklehrerin Edith Rindscheid einen Sprechgesang im Rhythmus der Trommeln anstimmt und alle Kinder einfallen, bekommen auch die beiden Nachzügler wieder Anschluss. Zum Schluss wird der Takt immer schneller, schließlich haut jeder wie wild auf sein Fass ein und das Dröhnen der Trommeln schwillt zu einem ohrenbetäubenden Lärm an. Auf einen kleinen Wink ihrer Lehrerin lassen sich die Kinder zurück in ihre Stühle fallen und es herrscht augenblicklich Stille.
Sie trommeln mit Händen oder Stöcken, manchmal benutzen sie auch Füße, Stirn oder Nase und sogar mit den Borsten eines Handfegers lassen sich den blauen Fässern Geräusche entlocken. "Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt", sagt die Musiklehrerin. Manchmal versetzen die Kinder den Plastikfässern auch einen kräftigen Tritt oder schmeißen sie in die Ecke. In der Trommel AG, nach sechs Stunden Unterricht, kommt das besonders häufig vor. Aber das ist auch gut so: Den Fässern schadet das überhaupt nicht und die Kinder werden so ihre Aggressionen los.
Besonders bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten habe sich das Trommeln bestens bewährt, sagt Edith Rindscheidt: "Die Kinder werden ruhiger und ausgeglichener, können sich auch in anderen Fächern besser konzentrieren und haben bei uns endlich Erfolgserlebnisse." Das hat die Musiklehrerin auch in ihrer eigenen Klasse beobachtet, mit der sie schon seit Jahren trommelt. Geduld müssen die Pädagogen allerdings mitbringen: Nachhaltige Verbesserungen lassen sich bei den Kindern erst nach einigen Monaten beobachten.
Mit Hilfe von 12.000 Euro aus dem Quartiersfonds der High-Deck-Siedlung konnte der Trommelunterricht ausgebaut werden: An der Sonnengrundschule und der Grundschule in der Köllnischen Heide an der Hänselstraße entstand eine Karnevalsgruppe. 150 Kinder bereiteten sich auf den Kinder-Karneval der Kulturen vor. Dabei war nicht nur das musikalische Talent der Kinder gefragt. Sie mussten auch malen, Masken bauen und sich fantasievolle Kostüme ausdenken.
Außerdem bekommt Edith Remscheid dreimal pro Woche Unterstützung von einem Trommelexperten vom Afro-Karib-Express. Zur Zeit ist es an der Sonnengrundschule Arsène Cimbau aus Gouadeloupe. So wie Cimbau mit den Kindern trommelt, helfen bildende Künstler in anderen Bereichen.

Heike Kasten-Nkongolo