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Engagement hat ein Gesicht

Im Computertreff kommen die verschiedensten Menschen zusammen. In den folgenden Steckbriefen plaudern sie: Zum Beispiel darüber, was sie in die High-Deck-Siedlung geführt hat, was ihnen an ihrem Wohngebiet gefällt und was nicht, wie und warum sie sich ehrenamtlich engagieren. Und natürlich haben viele von ihnen als eingefleischte High-Decker in der Siedlung auch eine Menge erlebt.

Karin Krause, 44, ledig, Rentnerin
1999 ist Karin Krause mit ihrer Freundin in die High-Deck-Siedlung gezogen. Sie haben sich für die Terrassenwohnung mit dem kleinen Garten sofort begeistert. Im Sommer leben sie mehr draußen als drinnen. Auch die Ruhe, der fehlende Autoverkehr und das Wohnen im Grünen haben es den beiden Frauen angetan, zumal eine von ihnen im Schichtdienst arbeitet und oft tagsüber schlafen muss.
Frau K. ist durch die Zufallsauswahl in die Vergabejury gekommen. Dort lernte sie den Computertreff kennen und hat sich von Anfang an für die Idee begeistert. Als Kassenwartin hat sie Verantwortung im Computertreff übernommen. Viel Spaß hat sie an Schulungen: Besonders ältere Menschen an den Computer heranzuführen bringt ihr selbst auch viel - Frau K. ist gelernte Altenpflegerin. Als Schulungsleiterin freut sich Frau K. an den Fortschritten der Kursteilnehmer und an der Anerkennung ihrer Arbeit.
Als Frührentnerin ist Frau K. froh, ihre viele Freizeit sinnvoll durch die ehrenamtliche Arbeit nutzen zu können.
Frau K. hat durch ihr ehrenamtliches Engagement viele Menschen in ihrem Wohnumfeld kennengelernt. Sie trifft zwanglos Leute auf der Straße, geht mehr hinaus, zum Beispiel in den Nachbarschaftstreff, und hilft Nachbarn bei Problemen mit dem Computer. Lebensqualität und auch das Sicherheitsgefühl haben sich durch die stärkere Öffnung nach außen und das Durchbrechen der Anonymität deutlich erhöht.

Rosemarie Simon, 55, verheiratet, Angestellte
Auch Frau S. hat sich 1976 von der speziellen Architektur der High-Deck-Siedlung angezogen gefühlt. Besonders die guten Bedingungen für die Tochter haben es ihr angetan: Sie konnte ohne direkte Berührung mit dem Straßenverkehr draußen spielen.
Ihre Wohnung ist sehr ruhig gelegen. So ruhig, dass Familie S. am Abend des 9. November 1989 nichts von der Maueröffnung mitbekam. Erst am Morgen danach hörte Frau S. im Radio, dass die Sonnenallee von Trabbis und Menschen verstopft sei und ging dann mit ihrer Familie zum Grenzübergang.
Die Veränderung des Wohnumfeldes empfindet Frau S. als negativ. Doch sie hängt sehr an ihrer Wohnung. Dem starken ehrenamtlichen Engagement ihres Mannes steht Frau S. mit gemischten Gefühlen gegenüber: Sie sieht, dass diese Arbeit getan werden muss und auch in der High-Deck-Siedlung positive Wirkung erzielt. Andererseits leidet das Familienleben durch den großen zeitlichen Aufwand.
Frau S. selbst hat in der Bürgerjury mitgearbeitet. Sie hatte Spaß daran, über die Vergabe von Geldern und die Gestaltung von Projekten mit zu entscheiden. Allerdings empfand sie den zeitlichen Aufwand neben ihrer beruflichen Arbeit als sehr hoch.
Dass durch das ehrenamtliche Engagement Projekte wie die Küche der Nationen entstanden sind, empfindet Frau S. als sehr positiv. 

Ursula Hertel, 62, verheiratet, Hauswartin
Seit fast 19 Jahren bekleidet Frau H. eine Hauswartstelle beim EVM Berlin am Michael-Bohnen-Ring. Sie ist für sieben Häuser zuständig, kümmert sich um Hof, Parkplatz, Garage und natürlich um die Sorgen der Mieter. So nimmt sie gern Tiere in Pflege, wenn Frauchen oder Herrchen auf Reisen gehen. Frau H. arbeitet im Computertreff 40 Plus e. V. mit. Einmal pro Woche schiebt sie Dienst im Treff.
Frau H. hat sich für die moderne Architektur der High-Deck-Siedlung begeistert. Vorher wohnte sie in einer Altbauwohnung. Insbesondere die leicht zu putzenden Fenster, die Zentralheizung und die Aufteilung der Wohnung haben es ihr angetan.
Die Veränderung des Umfeldes empfindet Frau H. als negativ. Auf den High-Decks ist es oft zu laut und es wird zu wenig Rücksicht genommen. Als Hauswartin sucht Frau H. bei Konflikten das direkte Gespräch mit den Betroffenen, selbst, wenn sie damit manchmal aneckt.
Zum Computertreff ist Frau H. über die Vergabejury gekommen. Idee und Atmosphäre des Treffs haben sie fasziniert. Durch den Computertreff hat sie den Umgang mit dem Computer gelernt. Jetzt schreibt sie sich begeistert E-Mails und SMS mit ihren Enkeln und hält so Kontakt mit ihnen. Über das Internet unterhält Frau H. auch eine rege Korrespondenz mit dem Bundeskanzleramt und anderen Ministerien.

Harry Simon, 57, verheiratet, Maschinenschlosser, Rentner
S. ist 1976 als Erstbewohner in den Michael-Bohnen-Ring 23 gezogen. S. hat Frau und Tochter. Zuvor hat er in Kreuzberg in einer Altbauwohnung gewohnt, die Wohnung hatte kein Bad und die Toilette eine Treppe tiefer. Weil er für das neugeborene Baby ein Bad brauchte, ist S. in die High-Deck-Siedlung gezogen.
S. hat die spezielle Architektur der Siedlung gefallen. Er hatte drei Angebote in anderen Siedlungen, hat sich aber für die High-Decks entschieden. Das Kind konnte hier in ruhiger Umgebung ohne Straßenverkehr aufwachsen. Die Sonnenallee war damals Sackgasse, die Siedlung war fast von drei Seiten durch die Mauer umschlossen. Trotz der Ruhe waren Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten sehr gut.
S. ist Sprecher des Mieterbeirates und dadurch in andere Ehrenämter "reingerutscht". Durch die Ehrenämter durchbricht S. die Anonymität in seinem Wohnumfeld: Er lernt viele Leute kennen, wird von Nachbarn angesprochen und hat die Möglichkeit, Einfluss auf sein Umfeld zu nehmen. S. versucht, gemeinsam mit anderen, mit wenigen Mitteln, viel zu erreichen und sein Umfeld zu verbessern.

Heike Kasten-Nkongolo